Seminarbericht Teil 2 – Leaky Gut – Von löchrigen Gedärmen

Immunsystem
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Hier geht es zum ersten Teil.

Willkommen zu Teil 2 des Seminarberichts zum „YPSI Functional Nutrition Seminar with Dr. Tom O’Bryan“ im September 2018 im Your Personal Strength Institute“ in Stuttgart! Im ersten Teil ging es um die Bedeutung von Gluten für die Ernährung und die korrekte Schrittfolge, wenn ein Glutenverzicht ansteht.

In diesem zweiten Teil soll nun der Darm ins Zentrum der Diskussion gerückt werden, genauer ein Phänomen, welches immer mehr Kunden im Gespräch als „Ja, das habe ich schon mal gehört“ bezeichnen – den so genannten „Leaky Gut“.

Der Darm als langer Schlauch

Fangfrage: Wenn Sie von einem Brötchen abbeißen, befinden sich das Brötchenstück dann nach dem Schlucken in Ihrem Körper? Sie konnten es sich denken: Nein! Es befindet sich in einem langen Schlauch dem Verdauungssystem.

Beginnend in der Mundhöhle über die Speiseröhre durch den Magen in den Darm legt der Speisebrei einen langen Weg zurück, bevor er am Ende wieder ausgeschieden wird. Nur weil sich etwas Geschlucktes nun im Verdauungssystem befindet, heißt es noch lange nicht, dass es auch in den Körper überführt wird (Ballaststoffe dienen dem Mikrobiom als Nahrung und werden zum Teil unverdaut wieder ausgeschieden). Erst wenn der stufenweise verdaute Nahrungsbrei zu immer kleineren Molekülketten aufgespaltet wurde, kann er (und damit die verschiedenen Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren usw.) vor allem im Darm durch die Darmwand in den Körper gelangen. Soweit die „gesunde“ Theorie.

Was bedeutet Leaky Gut?

Leaky Gut

löchriger Darm

Ein Leaky Gut oder löchriger Darm, beschreibt den Zustand einer nicht intakten Darmschleimhaut. Eine gesunde Darmschleimhaut kann man sich vorstellen wie eine lange Mauer, mit regelmäßigen Türen. Diese Mauer dient als Trennschicht für den Körper zur Außenwelt und soll nur überprüfte und für hilfreich oder unschädlich befundene Moleküle in den Körper durchlassen. Ein Leaky Gut ist eine Mauer mit offenen Türen oder gar Löchern in der Mauerwand. Beliebige teils krankheitsfördernde Moleküle, Gifte und unverdaute Nahrungsbestandteile können ungehindert in den Körper eindringen und dort ihr Unwesen treiben.

Wie entsteht ein Leaky Gut?

Ein Mechanismus, wie ein löchriger Darm entstehen kann, hängt mit dem im vorhergehenden Artikel beschriebenen Gluten vor allem aus Weizen zusammen. Gluten ist dabei nicht gleich Gluten: Vor allem das Gliadin eine Proteinfraktion des Weizeneiweißes sorgt für die Öffnung der so genannten „Tight Junctions“, das sind die Türen aus dem Mauerbild im vorigen Absatz. Das Erstaunliche: Die Öffnung passiert unmittelbar nachdem das Gliadin im Darm eintrifft. Sofort ist die Darmschleimhaut durchlässig und andere Moleküle und Reste des Nahrungsbreis können in den Blutkreislauf gelangen. Nimmt man nun regelmäßig Gluten aus Weizen zu sich, kann der Darm dauerhaft durchlässig werden und es kann zu unterschiedlichsten Problemen für den Körper kommen.

Doch halt! Wir haben doch noch unser Immunsystem.

Immunsystem

Immunsystem

Wenn körperfremde oder potentiell krankheitserregende Stoffe in den Körper gelangen, führt die zu einer Aktivierung des Immunsystems. Diese Körperabwehr geht nun mit speziell geschulten Verteidigungskräften auf die Suche nach den Störenfrieden und bringt diese im Optimalfall zur Strecke. Wenn jedoch dauerhaft eine große Anzahl an Fremdstoffen durch die Darmwand in den Blutkreislauf und damit in alle Organe des Körpers gelangt, sorgt dies für eine andauernde Alarmierung des Immunsystems und damit zu einem erhöhten Entzündungslevel.

 Entstehung von Autoimmunerkrankungen möglich

Laut Dr. Tom O’Bryan sind drei Faktoren nötig um eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln:

  1. genetische Auffälligkeit
  2. Umwelttrigger (Toxine, Gluten etc.)
  3. Leaky Gut – durchlässige Darmschleimhaut

Hier die Erklärung: Bei einer Autoimmunerkrankung greift der Körper sein eigenes Gewebe an. Dabei wird das jeweilige Organ oder die Funktionseinheit fortschreitend zerstört. Ursachen können dabei zum Beispiel Moleküle sein, die sich an körpereigenes Gewebe binden und damit das Immunsystem auf dieses Gewebe ansetzen. Weiterhin können auch schädliche Molekülsequenzen einem bestimmten Körpergewebes ähneln, wodurch auch hier das Immunsystem wieder gegen den eigenen Körper aktiv wird. Viele, gerade neurodegenerative Erkrankungen, haben eine ausgeprägte Autoimmunkomponente im Krankheitsbild.

Wie immer gilt: Messen! Messen! Messen!

Blutkreislauf

Weil es viele verschiedene Umwelttrigger gibt, denen wir ausgesetzt sind, und eine klare Diagnose eines löchrigen Darms sinnvoll ist, arbeitet Dr. O’Bryan mit verschiedenen Tests. Dabei nutzt er Bluttest und Stuhlproben um die Besiedlung des Darms zu überprüfen und herauszufinden, gegen welche Stoffe das Immunsystem Antikörper produziert. Mit diesen Messergebnissen kann er dann gezielte Ernährungsumstellungen und Lifestyleänderungen für den Patienten umsetzen.

Bevor es jedoch zu einem Ausbruch einer Autoimmunerkrankung kommt, vergeht viel Zeit. Es scheint also deshalb sinnvoll, schon vorher seine Ernährung und seinen Lebensstil zu überdenken entsprechend funktionell umzugestalten. Mögliche Wege zu einem intakten Darm und einer Minimierung der Umwelttrigger, werde ich im dritten Teil diskutieren.

Take-Away-Punkt 2

Die Bedeutung eines intakten Darms ist ein häufig unterschätzter Faktor für das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit des Körpers. Es zeigt einmal mehr, wie entscheidend eine individuell passende Ernährung und eine funktionelle Lebensführung für die persönliche Gesundheit sind. Auch wer gesund ist, profitiert enorm von einem gesunden Darm – unserem zweiten Gehirn.

Und eines noch: Wir haben nicht über alle Gifte und Schadstoffe die Kontrolle. Je nachdem ob wir in einer Großstadt leben oder auf dem Land sind wir mehr oder weniger vielen und auch anderen Giften ausgesetzt. Wir entscheiden uns aber, welche Nahrungsmittel wir zu uns nehmen, welche Produkte wir kaufen (Möbel, Kleidung, Kosmetik etc.) und ob wir uns körperlich ertüchtigen und ausreichend schlafen. Es lohnt sich hier einen funktionellen Ansatz zu verfolgen und sich hin und wieder Gedanken darüber zu machen, wie viel wir unserem Körper zumuten. Er wird es uns bei Beachtung danken!

 

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