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5 Mythen zum Krafttraining – Teil 1

Mythen im Krafttraining und wie es wirklich ist

Viele Mythen zum Krafttraining ranken sich im Internet und viel Unwahres kann man dazu im örtlichen Fitnessstudio bei Gesprächen zwischen Sportlern hören. Dieser Artikel soll einige dieser Mythen zum Krafttraining auflösen und aus der Praxis richtig stellen, warum Krafttraining eine solch nützliche Sportart für im Prinzip jeden Menschen darstellt. Viel Spaß!

Mythos 1: Krafttraining macht unbeweglich

Das kommt drauf an! Krafttraining, das jedes Gelenk über den vollen Bewegungsumfang belastet, macht nicht unbeweglich – im Gegenteil! Es stellt wohl die effizienteste Methode dar, Beweglichkeit zu verbessern und zu erhalten.

Warum?

Ganz einfach: Bei statischem Stretchen arbeiten wir nur an der Hardware (Muskel, Bänder, Sehnen). Darüber hinaus überschreiten wir Schritt für Schritt den Muskeltonus, den das Nervensystem vorgibt. Es lässt durch das lange, statische Halten im Prinzip zeitweilig einen größeren Bewegungsumfang zu.

Anders beim aktiven Training: Durch die Bewegung und Winkeländerung im Gelenk sprechen wir neben der Hardware auch die Software, also das Bewegungsprogramm an. Der Körper lernt, dass er für diese Bewegung mehr Beweglichkeit benötigt und verknüpft beides mit einer Kraftsteigerung über den gesamten Bewegungsumfang. Somit vermeiden wir durch Krafttraining auch, dass bestimmte Gelenkwinkel schwach sind und unter plötzlicher Belastung Überlasten.

 

Mythos 2: Krafttraining ist nichts für Frauen

Großes NEIN! Auch wenn Frauen häufig keine extremen Ziele im Bereich Muskelaufbau haben, profitieren Frauen, genau wie Männer extrem von einem gut geplanten Krafttraining. Sie erlangen mehr Kraft (Maximalkraft) – eine Qualität, die bei vielen Frauen zu Beginn häufig geringer ausgebildet ist als bei Männern. Dies bereitet für sämtliche Herausforderungen des Alltags vor.

Darüber hinaus hat Krafttraining auch einen positiven Einfluss auf die Balance zwischen Testosteron und den Östrogenen. Eine optimale Balance in diesem Bereich ist gerade für Frauen sehr wichtig, da viele Umwelteinflüsse (Gifte, Schadstoffe, Kosmetika, Pflanzenstoffe) häufig an den Östrogenrezeptoren wirken und das Gleichgewicht stören.

Krafttraining stärkt die Knochendichte – gerade Frauen im mittleren Altern leiden häufig unter Osteoporose (Geschlecht als Ursache oder vielmehr die Folge von zu wenig Krafttraining/Belastung?).

Festzuhalten bleibt, dass sich das Krafttraining zwischen Männern und Frauen durchaus unterscheidet. So tolerieren Frauen eher höheres Volumen (mehr Wiederholungen und Sätze) und bedürfen häufigerer Variation im Training. Auch gibt es einige Unterschiede im Durchschnitt, die auf einer unterschiedlichen Biomechanik beruhen (Frauen haben im Verhältnis häufig längere Beine als Männer, Männer eher einen langen Torso).

Aber auch Übungen, die viele Frauen zu Beginn des Trainings sich nicht mal zutrauen, wie Klimmzüge, haben in meiner Betreuung schon zahlreiche Frauen erfolgreich erlernen können.

Mythos 3: Krafttraining ist funktionellem Training unterlegen

Dieser Mythos zum Krafttraining ist eher Wortklauberei! Training muss immer funktionell sein. Die Behauptung beim funktionellen Training ist, dass man stets integrierte Bewegungsmuster durchführen sollte, also Mehrgelenkübungen. Häufig wird dies mit instabilen Untergründen oder besonderen Trainingstools kombiniert.

Per Definition ist Training ein geplantes Sporttreiben, welches regelmäßige Leistungssteigerungen ermöglicht. Im Krafttraining messen wir diese mittels der bewältigten Gewichte. Diese steigen im Verlauf des Trainingsalters.

Im funktionellen Training geht es häufig um ein Maximum an Variation. Jede Trainingseinheit ist anders und oft ohne Planung aufgebaut. Zusatzgewichte werden nicht progressiv gesteigert. Bewegungen sind häufig selbst sehr variabel und wenig standardisiert. Das macht eine messbare Leistungssteigerung schwierig!

Schließlich ist es nicht nötig immer nur Mehrgelenkübungen zu trainieren. Je nach Ziel und Zweck einer Übung kann auch ein isoliertes Training eines einzelnen Gelenks sinnvoll sein, weil es z.B. der limitierende Faktor für eine Mehrgelenksübung ist. Auch orientiert sich mein Krafttrainingsansatz an den Anforderungen des Alltags. Wir trainieren unter standardisierten Bedingungen Bewegungsmuster wie Heben, Schieben, Ziehen, welche die typischen Bewegungen unseres Alltagslebens sind. Dadurch lernt mein Körper diese Bewegunsmuster in der Qualität zu verbessern und kräftigt gleichzeitig die benötigten Muskelgruppen.

Soviel zum ersten Teil der Mythen zum Krafttraining. Weiter geht’s in Teil 2.